Selbst erzeugter PV-Strom ist meist steuerpflichtig!

Bei der Besprechung von PV-Strom für E-Heizstäbe habe ich bereits darauf hingewiesen,  dass Eigenverbrauch in der Regel steuerpflichtig ist.

Auffällig ist, dass vielen PV-Interessierten dieser Sachverhalt unbekannt ist, häufig sogar vehement bestritten wird.

Dabei wird gerne übersehen, dass man bereits mit dem "Zurückholen der Vorsteuer" anlässlich der Beschaffung der PV-Anlage umsatzsteuerpflichtig geworden ist. Weiters verkaufen fast alle PV-Anlagenbetreiber ihren überschüssigen PV-Strom an ihren Netzbetreiber und werden dadurch zum Energie-Produzenten und damit zum Unternehmer, der - aus Sicht des Finanzamtes - nach Gewinn strebt. Gerne werden auch Abschreibungen auf die PV-Anlage steuermindernd in Anspruch genommen. Auch dadurch wird man letztendlich zum Unternehmer. 

Die Konsequenz daraus ist, dass man sich fortan um Umsatzsteuer und Einkommensteuer kümmern muss - auch bezüglich des selbst verbrauchten Stroms.

Hier eine ganz kurze Einführung in das Thema:

Gehen wir davon aus, dass Sie PV-Strom erzeugen, teilweise selbst verbrauchen und den überschüssigen Rest an Ihren Netzbetreiber verkaufen.

In einem ersten Schritt ist zunächst zu ermitteln, wie hoch der  selbst genutzte  PV-Stromverbrauch war, bzw. es ist dessen prozentualer Anteil am gesamten, selbst erzeugten PV-Strom. Nehmen wir der Einfachheit halber hier einmal an, dass 10.000 kWh PV-Strom produziert wurden und davon 30 % = 3.000 kWh selbst verbraucht wurden.

Beginnen wir mit der Einkommensteuer:

Zu versteuern ist hier der sogenannte Teilwert.
Dazu sind zunächst die Gesamtkosten der PV-Anlage für das Steuerjahr festzustellen. Die Gesamtkosten ergeben sich aus

  • jährlicher Netto-Abschreibung
  • plus jährlichen Schuldzinsen (sofern welche angefallen sind)
  • plus sonstige Netto-Kosten, die unmittelbar mit dem Betrieb der PV-Anlage in Verbindung standen

Diese Gesamtkosten werden nun in unserem Beispiel mit 30 % Eigenverbrauchsanteil, also mit 0,30 multipliziert - und ergeben so die Netto-Betriebseinnahme aus dem selbst genutzten PV-Strom. Die Netto-Betriebseinnahme x 1,19 ergibt dann den einkommensteuerlich relevanten Betrag für die Einkommensteuererklärung.

Aus Vereinfachungsgründen kann der Wert des selbst verbrauchten PV-Stroms auch über den Strompreis für Strom gemäß allgemeinem Strommix ermittelt werden. Lt. Literatur können Sie sich für die für Sie günstigere Variante entscheiden.

Nun zur Umsatz-, bzw. Mehrwertsteuer:

Sofern Sie sich die 19 Prozent Umsatzsteuer, die Sie für Ihre PV-Anlage gezahlt haben, vom Finanzamt haben erstatten lassen (= Vorsteuer-Erstattung), zahlen Sie nun Ihrerseits Umsatzsteuer auf den Wert des verbrauchten Stroms. In der Regel ist hier der kWh-Preis ohne Mehrwertsteuer zugrunde zu legen, den Sie im gleichen Zeitraum auch für Ihre Strom-Zukäufe zu zahlen hatten. Dazu kommt allerdings noch die Netto-Grundgebühr.

Die Mehrwertsteuer für den Eigenverbrauch ergibt sich dann nach dieser Formel:  

((Selbst genutzte PV-kWhs x Netto-Strompreis für gekaufte kWhs) plus Netto-Jahresgrundgebühr) x 0,19

"Netto-Strompreis für gekaufte kWhs" versteht sich dabei als Brutto-kWh-Strompreis des Stromlieferanten  minus Mehrwertsteuer.

Wer dem Thema "Umsatz- bzw. Mehrwertsteuer" langfristig entrinnen möchte, der möge sich informieren, wie er zurück zum steuerlichen Status des Kleinunternehmers kommen kann.

 

Beachten Sie bitte, dass hier nur eine erste Übersicht zum Einstieg in das komplexe Thema vermittelt werden kann. Genaueres zu Ihrer ganz persönlichen steuerlichen Situation kann Ihnen Ihr Steuerberater sagen.

 

Literaturhinweis:

Wer trotzdem mehr zu dem Thema erfahren möchte, dem empfehle ich das Büchlein "Photovoltaikanlage und Blockheizkraftwerk" der Akademischen Arbeitsgemeinschaft Mannheim, bei Redaktionsschluss  für überschaubare 13,99 € unter steuertipps.de erhältlich. Mit dem Wissen dieses Büchleins können Sie  mit Ihrem Steuerberater - zumindest bezüglich Ihrer PV-Anlage - auf Augenhöhe sprechen.

Was in dem Büchlein allerdings fehlt, das ist der generelle "Überbau" für Umsatzsteuererklärung und Einkommensteuererklärung, also das, was man generell als selbständiger Unternehmer wissen sollte. Für steuerlich Fortgeschrittene gibt's deshalb im gleichen Verlag zusätzlich noch ein 2-bändiges Kompendium "Steuertipps für Selbständige". Dort steht auf sehr, sehr vielen Seiten sehr ausführlich und gut beschrieben, was man sonst noch wissen muss, um als selbständiger (PV-) Unternehmer vom Steuerberater weitgehend unabhängig zu werden.